FOTOGRAFIE Carsten Klein | art


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Stimmen Fernher - die Öffnung in den anderen Raum

"Wo sich was vollendet, wird dir dein Werk entwendet und heimlich heimgesendet, von fernher als Geschenk" / Rainer Maria Rilke

Carsten Klein vertritt mit Serien unter Titeln wie "Zeitfenster" , "See- oder Schneestücke" eine Fotografie, die weggeht vom ursprünglichen Abbildcharakter des Mediums. Vielmehr macht er sich auf die Suche nach dem, was sich hinter und zwischen dem unmittelbar Sichtbaren und dem allen Elementen Zugrundeliegenden abspielt. Mit seiner analogen Großbildkamera zielt der Fotograf dabei auf Phänomene, die sich in zyklisch wiederholenden Rhythmen und gleichzeitig auch immer wieder neu ereignen. Er fokussiert Dinge, die jeder Sehende zu kennen glaubt und die doch immer wieder faszinierend wandelbar aufscheinen. In den gezeigten Arbeiten versucht er den Blick auf Himmel, Wasser oder Gletscherformationen wie kleine Fenster in der Zeit aufzuzeichnen. Sein klassisches Werkzeug verbindet er mit der Absicht, den Zeitpunkt richtig zu wählen und die Blende für dieses bestimmte "Zeitfenster" lang zu öffnen, um das Licht den authentischen Moment auf das Zelluloid gestalten zu lassen. Im Geduld fordernden Prozess des Entwickelns wird der Moment dann wieder entstehen und zeigen, ob er den Funken des Besonderen transportieren kann. Des Besonderen, das sich auch mit dem Begriff des Erhabenen charakterisieren liesse und der noch immer am eindrucksvollsten von der Natur selbst präsentiert wird. Der abwartende Blick Kleins durch den Sucher auf das vermeintlich wohlbekannte Zusammenspiel der Elemente kehrt in ästhetischen und gleichzeitig vertraut wie fremd wirkenden Farbenspielen in den gross aufgezogenen Fotografien wieder. Die Färbungen scheinen sich darin mitunter gerade zu formieren, um sich im selben Moment wieder zu verflüchtigen. Irgendwo inmitten der Bewegung der Tageszeiten markieren Kleins Bilder einen einzelnen unwiederbringlichen Punkt und stehen in ihrer Flüchtigkeit doch auch wieder für das Ganze und die beruhigende Wiederkehr der Dinge. Die Arbeiten Kleins leben von diesen Momenten zwischen Abstraktion und Greifbarkeit, die inmitten einer bestimmten Konstellation von Licht und Atmosphäre eine Stimmung zu beschreiben scheinen. Ob es aber tatsächlich das explizite Abbild einer Stimmung ist, das man dort zu sehen glaubt, oder ob die entsprechende Bewegung nicht erst im Kopf des Betrachters entsteht, wo das Bild vor dem Hintergrund persönlicher Erinnerungen und Erfahrungen an Kontur gewinnt, ist eine der intendierten und vorgeschlagenen Fragen des Fotografen. / Kunsthistorikerin Nicola Schröder-Plock für Galerie K 29 Ricarda Fox /

 

Ein fruchtbarer Moment in der Bildenden Kunst ist gemeinhin der, "der das Vorher und Nachher eines bildlichen Geschehens" einfängt, und  schon Lessing philosophierte darüber, wie dies im "räumlichen Nacheinander von Figuren und Farben" gelingen kann. Mehr als einen zufälligen Augenblick aus dem Fluss der Zeit versinnbildlicht ein solcher Moment, nämlich die  Vorstellung zielgerichteter, Sinn stiftender Aktion.

"Fernher" – die Öffnung in einen anderen Raum" heißt die Ausstellung von Carsten Klein in der Galerie K29 von Ricarda Fox. Gezeigt werden See-, Wolken-, Gebirgs-, Meer- und Landschaftsstücke, abstrahierte Fotografien mit einer idealtypischen Vorstellung von Natur. In jeder ruht  Weite, in jeder wohnt Sinn, jedes  Bild verdeutlicht Stille und Ewigkeit. Eingefangen wird genau jener transitorische Moment, in dem Tag und Nacht, Vergangenheit und Zukunft, Raum und Zeit sich begegnen, sich in Ruhe gegenüberstehen. Ein Moment, in dem der letzte Schimmer des Tages im Schwarz der Nacht versinkt oder ein Sonnenstrahl eine Formation vorbeiziehender Wolken durchbricht.

Gezeigt wird eine meditative, pathetische Auffassung von Natur, die an klassisch romantische Bildkonventionen und an die Kategorie des Erhabenen und Sublimen eines Rothko oder Newman anknüpft.
Keine spiegelnde Reflexion auf der mattierten Bildoberfläche der Fotografie trübt den Blick, keine intensiv bunte Farbe stimuliert Gefühl, nicht ein Detail enthält Überfluss. Alles konzentriert sich auf den Prozess des Sehens, des Wahrnehmens dessen, was die Kamera zeigt: Formationen von Wolken, Strukturen von Schnee, Lichtkaskaden und dunkle Landschaften in unbunten Braun- und Grautönen, deren Details verschwimmen in Unwirklichkeit.
Aufgenommen sind die Landschaften unterwegs, in St.Peter Ording, Bayern, der algerischen Sahara, mit einer Großbildkamera und langer, fast malerischer Belichtungszeit. / galerien2010 von Christiane Dressler /


Zeitfenster

Ein Zeitfenster ist ein für ein bestimmtes Ereignis zur Verfügung stehendes Zeitkontingent, ein Zeitabschnitt von bestimmter Länge, innerhalb dessen eine Ressource benutzt werden kann.

Eine vordefinierte Zeitspanne, ein Zeitpunkt, ein Moment nach dem sich das Fenster schließt und in der Form nicht wieder kehrt.

Somit handelt es sich hierbei um eine Momentaufnahme, die in Langzeitbelichtung "Zeitscheiben" übereinander legt und in einem Übertragungsrahmen zusammenfügt. Luftbilder in einem fest zugeordneten Intervall in der Bewegung der Zeit festgehalten. Eine für das Auge nicht vorhandene Realität wird im Bild sichtbar gemacht.

Ausgangspunkt war der Begriff MOMENT

Der Moment = Augenblick
Das Moment = Impuls oder Bewegungskraft
Momentum = räumliche Kraft, Impuls, Schwung, Einfluß, Beweggrund, Motiv; movere = bewegen, entstehen

 

   


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