FOTOGRAFIE Carsten Klein | art


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Mein Gott, mein Gott,


warum hast Du mich verlassen,
warum bleibst Du fern meines Hilferufes
und den Worten meines Schreiens?!

"Mein Gott" rufe ich bei Tag,
und Du antwortest nicht;
selbst nicht in der Nacht,
ich finde keine Ruh'.

Du aber bist der Heilige,
der da thront über Israels Lobgesängen.
Auf Dich haben unsere Väter vertraut;
sie vertrauten Dir, und Du hast sie errettet.
Sie schrien zu Dir auf und durften entkommen;
sie vertrauten auf Dich und wurden nicht zuschanden.

Ich aber, ein Wurm bin ich, und kein Mensch,
der Leute Spott, vom Volk verachtet.
Alle, die mich sehen, verspotten mich,
verziehen die Lippen, schütteln den Kopf.

"Wälze er es auf den Herrn!" "Der lässt ihn entrinnen;
errettet ihn, denn er hat ja Gefallen an ihm."

Ja, Du bist es,
der mich aus dem Mutterschoß kommen ließ,
der mir Geborgenheit gab an meiner Mutter Brust.
Auf Dich, HERR, bin ich angewiesen,
seit ich aus ihrem Schoße kam;
schon vom Schoße meiner Mutter an bist Du mein Gott.

HERR, nie bleibe fern von mir,
denn nahe ist die Bedrängnis
und kein Helfer ist da.

Viele junge Stiere umstehen mich,
die Bullen des Bachans umzingeln mich.
Ihre Mäuler sperren sie wider mich auf,
einer Löwenschar gleichend: reißend und schreiend.

Wie Wasser bin ich hingeschüttet,
alle meine Knochen wollen sich von mir trennen.
Weich wie Wachs ist mein Herz geworden,
zerschmolzen ist es in meiner Brust,
trocken wie eine Scherbe ist meine Kraft,
meine Zunge klebt fest an meinem Gaumen.

Du bettest mich in Todesstaub.

Wie Hunde haben sie mich umstellt,
eine Horde von Übeltätern bedrängte mich,
sie fesselten mich an Händen und Füßen;
zählen kann ich all meine Knochen.

Sie schauen mich an, besichtigen mich,
teilen meine Kleider unter sich,
und über mein Gewand werfen sie das Los.

Du aber, o HERR, bleibe mir nicht fern;
Du meine Stärke, eile und stehe mir bei
mit Deiner Hilfe.

Entreiße meine Seele dem Schwert,
mein Leben vor dem Griff des Hundes,
befreie mich aus dem Rachen des Löwen,
vor den Hörnern der wilden Büffeln rette mich,
weil Du mich erhörst.

Deinen Namen will ich künden meinen Brüdern,
inmitten der Gemeinde will ich Dich preisen:
"Die ihr den HERRN fürchtet, preiset Ihn!
Alle aus dem Stamme Jakobs rühmet Ihn!
Erschauert vor Ihm ihr Kinder Israels!
Denn ER hat nicht verachtet,
nicht verschmäht das Elend der Armen,
nicht verborgen vor ihm Sein Antlitz,
hat vernommen den Aufschrei des Bedrängten."

Dir gilt mein Lob inmitten der Gemeinde. -
Erfüllen will ich mein Gelübde
in Gegenwart derer, die Dich fürchten.

Essen sollen die, die im Elend leben,
und sie sollen satt werden.
Den HERRN sollen preisen, die Ihn suchen!
Aufleben soll euer Herz für immer!

Dessen eingedenk werden sich zum HERRN bekehren
alle Enden der Erde,
sich vor Dir niederwerfen alle Stämme der Völker.
Denn dem HERRN ist das Königtum;
ER ist der Herrscher über alle Völker.

Es werfen sich alle vor Ihm nieder,
die gegessen haben
und nun in der Erde ruhen,
vor Ihm knien alle nieder,
die in den Staub gesunken sind
und deren Seele ER nicht leben ließ.

Meine Nachkommen sollen Ihm dienen,
sollen erzählen von Gott meinem HERRN
dem kommenden Geschlecht
und künden von Seinem gerechten Walten
dem nachgeborenen Volk und sagen: dass ER es hat getan.

Psalm 22

 

 

1. In einer Nacht, dunkel,


in brennender Liebessehnsucht entflammt,
- o glückliches Geschick! -
ging ich hinaus, ohne bemerkt zu sein;
mein Haus war schon zur Ruh' gekommen.

2. Im Dunkeln und sicher,
über die geheime Treppe vermummt,
- o glückliches Geschick! -
im Dunkeln und verstohlen;
mein Haus war schon zu Ruh' gekommen.

3. In der Nacht, glücklich,
insgeheim, dass niemand mich sah
und ich auf nichts schaute,
ohn' anderes Licht und Führen,
als das im Herz brannte.

4. Dies führte mich
sicherer als das Licht des Mittags,
wo auf mich wartete,
den ich gut kannte,
dorthin, wo niemand sich zeigte.

5. O Nacht die führtest!
O Nacht, liebenswerter als das Morgengrauen!
O Nacht, die zusammenführtest
Geliebten mit Geliebter,
Geliebter in Geliebten überformtest!

6. An meiner Brust, blühend,
die ganz für ihn allein sich aufbewahrte,
dort war er eingeschlafen,
und als ich ihn liebkoste,
gab Hauch der Zedern Wehen.

7. Der Hauch der Zinne,
als ich sein Haar durchstrich,
mit seiner linden Hand
verletzt' er meinen Hals
und ließ all meine Sinne schwinden.

8. Ich blieb zurück und selbstvergessen
neigt' ich das Gesicht über den Geliebten;
es hörte alles auf, ich ließ mich,
gelassen mein Sorgen
unter den Lilien vergessen.

Johannes vom Kreuz

 

Gebet

Ein KIND, ein MANN und dann ein REINER Geist, o komm
in deiner ganzen Schönheit. Leuchtest DU,
nicht auf mein Leben, ist's für DICH verlorn,
und was für DICH verloren ist, das ist es auch für mich.

Ich weiß nicht recht, weshalb ich hier bin, eins
nur weiß ich: Ich kam her, um DICH
zu suchen und zu finden. Und in DEINEM Leben zeigst
du mir den Weg zu meinen ewigen Zuhaus.

Ein Kind, ein Mann und dann ein reiner Geist.
So folge ich dem Weg, den DU mir zeigst,
damit ich endlich werde so wie DU.
Was sonst als DIR gleich möchte ich denn sein?

Und eine Stille ist, in der DU zu mir sprichst
und Worte gibst der Liebe, die für DICH
ich denen sagen soll, die DU mir schickst.
Ich bin gesegnet, weil ich DICH in ihnen strahlen seh.

Kein Dank, den ich DIR sagen könnte, ist genug
für solch ein Geschenk. Der Strahlenkranz um DEINEN Kopf
muss für mich sprechen; ich verstumm
an DEINER sanften Hand, die meine Seele lenkt.

Ich nehme DEINE Gabe an in heilige Hände, denn DU hast
mit DEINEN eigenen sie gesegnet. Kommt, ihr Brüder, seht,
wie gleich ich CHRISTUS bin und euch,
die ER gesegnet hat und trägt als eins mit mir.

DU zeigst mir ein vollkommenes Bild all dessen, was
ich sein kann, dass ich DEINER Brüder Sicht
erneuern helfe, die versagt. Und schauen sie dann auf,
lass sie nicht mich erblicken, sondern DICH allein.

aus "ein Kurs in Wundern"

   


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